Mittwoch, 23. November 2011
I ♥ Deutsche Bahn
Jeder kennt's - der Konflikt mit dem allseits beliebten Nahverkehrsmittel unseres Vertrauens. Ha ha ha, dass ich nicht lache. Das Lotusblütchen und ich machten uns heute, nichts Böses ahnend, auf den Weg zu unserem wunderschönen Hauptbahnhof. Alles kein Problem. Nümmerchen ziehen, Bank in Beschlag nehmen und dann heißt es erst einmal: Warten! Klingt schlimmer als es eigentlich ist, wenn man den einen oder anderen Tipp befolgt, um die Zeit tot zu schlagen. Unsere Lieblingsbeschäftigung ist das Beobachten von "seltsamen" Menschen, wovon es hier reichlich genug gibt. Als erstes wäre da eine Frau, die gefühlte 3 Stunden den Schalter 3 besetzt und am Ende nur 26,80 € ausgibt, wo wir uns fragen müssen, was zur Hölle hat da so lange gebraucht - hm? Als nächstes ein Mann, der gewissenhaft das Gerät mit den Nummern ignoriert und schnurstracks auf Schalter 1 zu steuert, um dann von der liebreizenden Dame Nummer 1 [ich kenne ihren Namen leider, leider nicht] ausgebremst und weg geschickt zu werden. Und anstatt sich wie ein "normaler" Fahrgast zu verhalten und brav ein Nümmerchen zu ziehen, verlässt er diesen gemütlichen Ort, was wir mal so gar nicht verstehen können. Wir widmen uns aber direkt dem nächsten Menschen, indem das Lotusblütchen ein neues Talent entdeckt - Gedankenlesen. Man stelle sich eine hektische Frau vor, die alle zwei Sekunden auf die Uhr guckt. Sie besitzt die Gabe, genau wiederzugeben, was jene Person gerade denkt. Ich war beeindruckt. Aber auch sie verließ uns viel zu schnell. Zu guter letzt müssen wir ein ganz besonderes Kerlchen erwähnen, der mich zu neuen Schandtaten und Hochleistungen angetrieben hat. Das Gerät mit den Nummern besitzt zwei Knöpfe. Schlaue Menschen drücken auf einen, nehmen ihre Nummer und warten brav. Die andere Fraktion drückt auf beide Knöpfe, nimmt beide Nummern und wartet. Da kommt mir die glorreiche Idee, wie man seine Wartezeit noch sinnvoll nutzen könnte. Wäre es nicht lustig, wenn man die Gunst der Stunde nutzen würde, sofern noch keine anderen wartenden Fahrgäste da sind, und ein bisschen auf den Knöpfen rumdrücken würde, sodass die nächsten, die eine Nummer ziehen, ihr blaues Wunder erleben würden? Oder zumindest eine lange Wartezeit? Ich muss sagen, mir gefällt der Gedanke. Natürlich ist das reines Kopfkino, wir sind schließlich wohlerzogene, junge Frauen, die sich nie und nimmer einen Spaß mit anderen erlauben würden. Wie kämen wir auch dazu? Glücklicherweise sind wir als nächstes dran, denn Schalter 3 ist nun endlich frei. Ich frage nach dem Ticket und bekomme als Antwort: "Nein, das gibt es hier nicht. Das gibt es nur am Automaten und im Internet." Ich denke mir: Yay, was'n super Service, Deutsche Bahn. Und sage: Danke. Tschüss. Also auf zum nächst besten Automaten und zwar ohne den "Automaten-Guide" auf uns aufmerksam zu machen, denn wir sind weder schwerhörig, noch gehbehindert, noch alt. Und ganz und gar nicht senil. Hier gedrückt, da getatscht - und zack hab ich das gewünschte Ticket. So einfach geht das. Was ist nun also die Moral der Geschicht'? Richtig, trau dem Automaten und dem Menschen nicht.



Jenny desu.
Das Land der aufgehenden Sonne. Nihon oder Nippon, wie auch immer - Japan halt. Ich oute mich hier und jetzt, ich bin eine Japan-Fanatikerin. Ein Vollblut-Sushinist - Ja, ich habe auch ein Faible für "eigene" Sprachen und Wörter, was aber lieber an einer anderen Stelle erneut aufgefasst werden sollte. Ich lese Bücher von hinten, ich nicke im gleichen Takt wie die Wackel-Katzen beim Asiaten um die Ecke, ich deute den Frieden an - oder den Sieg, jeder wie er will -, ich würde am liebsten alles und jeden fotografieren und das nur, weil ich "so etwas" noch nie gesehen habe, ich achte überall auf japanische Zeichen und gucke Animes in Originalsprache, welche eine beruhigende und gleichzeitig seltsame Wirkung auf mich hat. Ich liebe dieses Land, obwohl ich noch nie da gewesen bin. Ich habe mit Japan geweint, ich habe um Japan geweint. Ich bin nicht religiös, aber für die betroffenen Menschen habe selbst ich gebetet. Hätte mich jemand gefragt, ich wäre sofort hin geflogen, um zu helfen. Egal, wie. Tatsächlich hatte ich vor, wenige Monate später das Land zu besuchen, was nach der riesigen Katastrophe ja nicht mehr möglich war. Japan bedeutet mir mehr, als ich erklären kann. Es steht mit meinem Vater, den ich über alles liebe, in Zusammenhang. Ich hab meinen Traum kurzzeitig aufgegeben, weil ich keine andere Wahl hatte, weil ich fast dachte, das Land wäre "verloren". Aber so wie's aussieht hat all das Beten und Hoffen etwas genützt und sofern nicht wieder, man verzeihe mir den Zynismus, eine Katastrophe dazwischen kommt, werde ich schon nächstes Jahr um diese Zeit meine Fotos aus Japan sortieren. Sayounara!



Meer + Mensch = Glück
Es gibt Orte, an denen man fest davon überzeugt ist, dass das Meer alle Sorgen nimmt. Ich denke nicht, dass das so einfach ist. Das Ganze ist, meiner Meinung nach, etwas komplizierter. Das Meer, diese endlose Weite, weckt Sehnsüchte, derer wir uns nie bewusst gewesen sind. Es sind Sehnsüchte, die unseren Körper so stark vibrieren lassen, dass wir nur so vor Glückshormonen strotzen. Dieses Gefühl nimmt unsere Gedanken so in Beschlag, dass wir all das "Böse" in unserem Leben für wenige Momente vergessen können. Wer könnte schon von sich behaupten, ohne zu lügen, dass der Anblick von einem Strand und dem dazugehörigen Meer nichts in ihm auslöst, hm? Ob Fernweh - oder viel banalere Dinge, wie z.B. der Wunsch nach der Möglichkeit, wenn auch nur für wenige Stunden, einmal zur Ruhe zu kommen. Die Welt hört nicht auf sich zu drehen, unseren Alltag beherrscht die Hektik und der Stress. Ist es da so verwunderlich, dass wir den Anblick der ruhigen Wellen so sehr genießen? Dass wir dem Rauschen des Meeres so gerne lauschen? Nein. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass Menschen, die am Meer leben, glücklicher sind. Ich weiß, dass Wasser unberechenbar ist. Nehmen wir das Beispiel Japan, wozu ich erwähnen muss, dass mir dieses Land besonders am Herzen liegt. Dennoch bleibe ich bei meiner Aussage. Ich war erst vor kurzem in Nordfrankreich - am Meer. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die Gegend eine immens hohe Lebensqualität besitzt. Natürlich ist die See nicht immer ruhig, aber selbst wenn die Wellen etwas höher schlagen, wen schert das? Man geht trotzdem an den Strand und bewundert das, was vor einem liegt. Es gibt so viel, was uns daran glücklich macht. Oder glücklich machen kann. Ich bin mir sicher, irgendwann werde ich am Meer leben. Und ganz vielleicht, ich kann schließlich nicht hellsehen, kann ich dann von mir behaupten, ich wäre glücklich und hätte ein schönes Leben.