I ♥ Deutsche Bahn
Jeder kennt's - der Konflikt mit dem allseits beliebten Nahverkehrsmittel unseres Vertrauens. Ha ha ha, dass ich nicht lache. Das Lotusblütchen und ich machten uns heute, nichts Böses ahnend, auf den Weg zu unserem wunderschönen Hauptbahnhof. Alles kein Problem. Nümmerchen ziehen, Bank in Beschlag nehmen und dann heißt es erst einmal: Warten! Klingt schlimmer als es eigentlich ist, wenn man den einen oder anderen Tipp befolgt, um die Zeit tot zu schlagen. Unsere Lieblingsbeschäftigung ist das Beobachten von "seltsamen" Menschen, wovon es hier reichlich genug gibt. Als erstes wäre da eine Frau, die gefühlte 3 Stunden den Schalter 3 besetzt und am Ende nur 26,80 € ausgibt, wo wir uns fragen müssen, was zur Hölle hat da so lange gebraucht - hm? Als nächstes ein Mann, der gewissenhaft das Gerät mit den Nummern ignoriert und schnurstracks auf Schalter 1 zu steuert, um dann von der liebreizenden Dame Nummer 1 [ich kenne ihren Namen leider, leider nicht] ausgebremst und weg geschickt zu werden. Und anstatt sich wie ein "normaler" Fahrgast zu verhalten und brav ein Nümmerchen zu ziehen, verlässt er diesen gemütlichen Ort, was wir mal so gar nicht verstehen können. Wir widmen uns aber direkt dem nächsten Menschen, indem das Lotusblütchen ein neues Talent entdeckt - Gedankenlesen. Man stelle sich eine hektische Frau vor, die alle zwei Sekunden auf die Uhr guckt. Sie besitzt die Gabe, genau wiederzugeben, was jene Person gerade denkt. Ich war beeindruckt. Aber auch sie verließ uns viel zu schnell. Zu guter letzt müssen wir ein ganz besonderes Kerlchen erwähnen, der mich zu neuen Schandtaten und Hochleistungen angetrieben hat. Das Gerät mit den Nummern besitzt zwei Knöpfe. Schlaue Menschen drücken auf einen, nehmen ihre Nummer und warten brav. Die andere Fraktion drückt auf beide Knöpfe, nimmt beide Nummern und wartet. Da kommt mir die glorreiche Idee, wie man seine Wartezeit noch sinnvoll nutzen könnte. Wäre es nicht lustig, wenn man die Gunst der Stunde nutzen würde, sofern noch keine anderen wartenden Fahrgäste da sind, und ein bisschen auf den Knöpfen rumdrücken würde, sodass die nächsten, die eine Nummer ziehen, ihr blaues Wunder erleben würden? Oder zumindest eine lange Wartezeit? Ich muss sagen, mir gefällt der Gedanke. Natürlich ist das reines Kopfkino, wir sind schließlich wohlerzogene, junge Frauen, die sich nie und nimmer einen Spaß mit anderen erlauben würden. Wie kämen wir auch dazu? Glücklicherweise sind wir als nächstes dran, denn Schalter 3 ist nun endlich frei. Ich frage nach dem Ticket und bekomme als Antwort: "Nein, das gibt es hier nicht. Das gibt es nur am Automaten und im Internet." Ich denke mir: Yay, was'n super Service, Deutsche Bahn. Und sage: Danke. Tschüss. Also auf zum nächst besten Automaten und zwar ohne den "Automaten-Guide" auf uns aufmerksam zu machen, denn wir sind weder schwerhörig, noch gehbehindert, noch alt. Und ganz und gar nicht senil. Hier gedrückt, da getatscht - und zack hab ich das gewünschte Ticket. So einfach geht das. Was ist nun also die Moral der Geschicht'? Richtig, trau dem Automaten und dem Menschen nicht.